


Der Anruf kommt meist unerwartet: „Wir haben Insolvenz angemeldet.“
Spätestens jetzt zählt jede Stunde, es geht um die Versorgungssicherheit.
Besser ist es, eine Insolvenzgefahr im Vorfeld zu erkennen.
Was ist eine Insolvenz genau?
Eine Insolvenz bezeichnet die Situation eines Schuldners, seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Gläubiger nicht erfüllen zu können. Die Insolvenz ist gekennzeichnet durch akute Zahlungsunfähigkeit („Illiquidität“ oder mangelnde Liquidität) oder drohende Zahlungsunfähigkeit, die aus Überschuldung abgeleitet werden kann. (Quelle: Wikipedia)
Es ist also sehr wichtig für Dich, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann Gefahr für Deinen Einkauf droht.
- Liefermengen und -termine werden zunehmend unzuverlässig
- Zahlungsziele werden verkürzt, bis hin zur Vorkasse
- es gibt erhöhte Mitarbeiterfluktuation
- es gibt ungewöhnliche und hektische Wechsel in der Geschäftsführung
- Dein Lieferant zahlt Rechnungen an seine Lieferanten oft erst nach
(mehrfachen) Mahnungen: hier brauchst Du gute Kontakte zu den
Unterlieferanten oder gute Informationen aus dem Markt
- Du bekommst Kenntnis davon, dass eine Warenkreditversicherung die
Versicherungssumme für Deinen Lieferanten kurzfristig gesenkt hat
Bei den Warenkreditversicherungen kannst Du keine Informationen zum
Zahlungsverhalten und zu deren Risikoeinschätzung abfragen. Diese
Informationen bekommen nur die Kunden der Warenkreditversicherung
selbst. Alle Aussagen sind streng vertraulich und dürfen auch von den Kunden
nicht an Dritte weitergegeben werden. Wenn überhaupt bekommst Du
allgemeine mündliche Aussagen. Diese sollten aus absolut zuverlässiger
Quelle stammen.
- Wirtschaftsauskünfte verschlechtern sich
Wirtschaftsauskünfte zeigen Dir „Schieflagen“ von Firmen allerdings erst
zeitverzögert an: wenn sich diese bereits in den Geschäftszahlen zeigen.
- schnell sein: höchste Gefahr für die Versorgungssicherheit
- keine Vorauszahlungen ohne Sicherheiten
- keine Anzahlungen ohne Sicherheiten (z.B. für Werkzeuge,
Entwicklungsarbeiten, Serviceeinsätze)
Was mir passiert ist
Ein teurer Serviceeinsatz mit den benötigten Ersatzteilen war per Vorkasse bezahlt. Kurz vor dem Service-Termin ruft der Lieferant an: „Wir haben Insolvenz angemeldet und dürfen den Serviceeinsatz nur durchführen, wenn dieser erneut per Vorkasse bezahlt wird“. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat schriftlich rechtsverbindlich zugesichert, dass dieser Serviceeinsatz dann auch stattfindet.
Der zuerst gezahlte und „verlorene“ Vorkassebetrag wird bei Eröffnung der Insolvenz zur „Insolvenztabelle angemeldet“. Die Quote, die hier viel später und im günstigsten Fall gezahlt wird, liegt oft bei nur 5 % bis 10 %.
- Vertragsprüfung
Wem gehören Werkzeuge, können diese im Insolvenzfall abgezogen werden
(wenn ein anderer Lieferant diese prinzipiell nutzen kann)?
Oder hat Deine Firma keinen Zugriff und muss bei einer Verlagerung neue
Werkzeuge bestellen? Das ist ein Kosten- und Zeitfaktor.
Was gibt es sonst noch für Regelungen im Insolvenzfall? Können z.B.
Rahmenverträge gekündigt werden oder nicht.
- Risikomanagement, second source finden
Gibt es eine passive second source, die aktiviert werden kann? Single Source
und Monopollieferanten sind jetzt natürlich ganz schlecht.
- cross-funktionale Projekte aufsetzen, speziell im technischen Einkauf
Einkaufsabteilungen allein können keine neuen Lieferanten und Zukaufteile
qualifizieren. Die Entwicklung, die Qualitätssicherung und die Produktion,
werden benötigt.
Fehlt da nicht noch wer? Genau, der VERTRIEB. Weil meist auch der Kunde informiert werden muss. Oft wird eine Freigabe vom Kunden benötigt. Speziell in Automotive habe ich an einigen TEAMS-Konferenzen gemeinsam mit dem Vertrieb und dem Kunden teilgenommen. Diese sind sehr direkt und ergebnisorientiert und haben oft einen echten „Erlebnischarakter“, vor allem wenn man Tier 1 Lieferant ist. Hier wird richtig Druck aufgebaut.
Ein vorläufiger Insolvenzverwalter prüft, ob es eine Chance gibt, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann. Wenn in dieser Phase Dein Lieferant weiter produziert, kannst Du für Dein Unternehmen die Versorgungssicherheit zunächst wieder herstellen. Es kann aber sein, dass Du jetzt
Immerhin hast Du jetzt erstmal wieder einen Lieferanten. Aber dieser ist immer noch ein großes Risiko.
Der Vollständigkeit halber: es gibt auch die Insolvenz in Eigenverwaltung, bei der die Geschäftsführung Deines Lieferanten handlungsfähig bleibt.
Du denkst, nun geht es mit Deinem Lieferanten zu Ende? Das ist ein verbreitetes und großes Missverständnis. Die Eröffnung einer Insolvenz ist nämlich (in einer bereits vorliegenden Insolvenzsituation) eine gute Nachricht.
In der Praxis wird ein Verfahren nur eröffnet, wenn zumindest eine geordnete Abwicklung oder Fortführung mit Sanierung möglich erscheint.
Ein Sanierungsverfahren kann sich einige Monate ziehen bis dann endgültig feststeht, ob und wie es weitergeht. Meistens wird dazu ein Investor gesucht.
In der eröffneten Insolvenz stabilisiert sich meist die Versorgungssicherheit und bestätigte Liefertermine werden wieder eingehalten. Aber Du weißt nicht, wie lange diese Situation anhält. Wann übernimmt ein Investor und werden dann Deine Einkaufsartikel weiter gefertigt? Und zu welchem Einkaufspreis?
Das heißt eine mögliche passive oder bereits aktive Second Source ist auch jetzt noch notwendig.
Auch bei eröffneter Insolvenz ist es immer noch möglich, dass sich kein Investor findet, die Firma nicht saniert werden kann und schließlich doch noch stillgelegt werden muss.
Fazit:
Lieferanten-Insolvenzen sind nicht nur ein operatives Problem –
sie sind ein strategisches Risiko.
Wer erst reagiert, wenn die Insolvenz angemeldet ist, hat bereits verloren.
Wenn Dein Einkauf von drohender oder aktueller Insolvenz Deiner Lieferanten betroffen ist, können die Procurement Buddies helfen: mit know how und schnell verfügbarer Kapazität setzen wir zielgerichtete Projekte auf.