

Einige Jahre her: ich bin zu früh im Besprechungsraum und warte auf die weiteren Teilnehmer. Es war ein Projektraum der IT, an der Wand eine eindrucksvolle Übersicht der vielen Daten, die in SAP geführt werden:
Was fehlte? Die komplette LieferantenBASIS !!!
Was bedeutet das?
Nicht mehr und nicht weniger das die Hälfte der Firmenstruktur „vergessen“ und damit für nicht wichtig erachtet wurde. Unglaublich.
Im Gegensatz dazu finde ich die folgende Grafik sehr gelungen:

Die Grafik startet mit der „Rohstoffgewinnung“ und dem „Zuliefernetzwerk“. Im Unternehmen findet dann eine mehr oder weniger tiefe Wertschöpfung (sprich Produktion) statt und ein „Vertriebsnetzwerk“ verkauft die Produkte schließlich.
Ich kann nicht verstehen, dass für viele ein Unternehmen gedanklich erst mit der Produktion beginnt. Und man bei Logistik „nur“ an die Vertriebslogistik, die sogenannte Distributionslogistik, denkt. Immerhin gibt es seit vielen Jahren den Begriff Supply Chain. Durch die aktuellen, geopolitischen Krisen verstehen nun viele besser, was Versorgungssicherheit bedeutet und dass diese alles andere als selbstverständlich ist.
Mein Lieblingsbeispiel: einem Gebrauchtwagenhändler ist völlig klar, welche Bedeutung der Einkauf der Autos für seinen wirtschaftlichen Erfolg hat. Gut, ein Autohändler hat keine Produktion in dem Sinne und auch keine Produktentwicklung, aber ich glaube Ihr versteht, was ich mit dem Beispiel sagen will.
Die LieferantenBASIS, deren Leistungsfähigkeit, Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit ist eine Basis für das gesamte Unternehmen. In den letzten Jahren, mit der Optimierung der Wertschöpfung in der Supply Chain und der Einbindung von Lieferanten in den PEP, den Produktentstehungsprozess, wird das mehr und mehr gesehen und gelebt.
Im technischen Einkauf gibt es „Entwicklungspartnerschaften“ mit Lieferanten und „Systemlieferanten“. Das ist etwas ganz anderes als „früher“ der Einkauf von „Rohstoffen“ und einer viel höheren Fertigungstiefe als heute üblich. Heute ist die „richtige“, sprich „passgenaue“ Lieferantenbasis, ein wesentlicher Baustein für den wirtschaftlichen Unternehmenserfolg. Oft betragen die Material- und Komponentenkosten mehr als 50 % der Herstellkosten. Wenn man dort besser aufgestellt ist als der Wettbewerb, hat man einen Wettbewerbsvorteil. Nicht nur wegen dem Preis, auch wegen Qualität und dem „time to market“.
Die Automobilindustrie spricht von Tier-1 bis Tier-3 Lieferanten. Tier-1 Lieferanten sind Entwicklungspartner und liefern komplexe Systeme und Module, z.B. Pleuel, Kardanwellen, LED-Beleuchtungsmodule oder komplexe Gehäuse und Strukturteile. Für die Herstellung dieser Komponenten braucht ein Tier 1-Lieferant „nachgeordnete“ Tier-Lieferanten in der Supply Chain.
Ich durfte in mehreren Firmen an und mit der LieferantenBASIS von Tier 1 Lieferanten arbeiten. Das ist ein „reguliertes Umfeld“. Es gibt übrigens viele Gemeinsamkeiten mit der Medizintechnik: sehr hohe Sicherheitsanforderungen, daraus folgen hohe Qualitätsanforderungen und hohe Produkthaftungsrisiken.
Das Lieferantenmanagement kümmert sich um die Lieferantenbasis:
Prüfung, ob der potenzielle Lieferant die erforderliche Qualität herstellen kann
Potenzialanalyse: gibt es entsprechende Zertifikate und Produkt-know-how?
Oft wird dazu ein Lieferantenaudit durchgeführt.
sowie der jeweilige Handlungsbedarf abgestimmt
Das Lieferantenmanagement ist organisatorisch an der Schnittstelle Einkauf und Qualitätssicherung angesiedelt. Gemeinsam wird auch am Risk-Management gearbeitet: Wenn sich eine Single-Source nicht vermeiden lässt, wie sichert man dann Qualität und Liefertreue trotzdem weitestgehend ab? Das beginnt mit der Verhandlung einer formellen Liefer- und Qualitätssicherungsvereinbarung und geht über in den Aufbau eines partnerschaftlichen Vertrauensverhältnisses mit enger Zusammenarbeit.
Beim Category Management wird die Lieferantenbasis für jedes definierte Materialgebiet einzeln analysiert, ständig beobachtet und strategisch gemanagt.
Für jede Gruppe gibt es eine eigene Warengruppenstrategie für die Optimierung der Parameter Qualität, Risiko, Kosten und Innovation. Hier geht es um Bedarfsbündelung bei Lieferanten, single- oder second-source Politik, mögliche Entwicklungspartnerschaften mit Lieferanten und wie diese gestaltet und gelebt werden.
Oft sind die strategischen Einkäufer nach Materialgruppen organisiert und übernehmen auch die Category Manager- Funktion. In größeren Unternehmen mit mehreren internationalen Werken und hohem Einkaufsvolumen gibt es meistens eine eigene Organisation für das Category Management. In beiden Fällen werden gezielt strategische Verhandlungspositionen für die Materialgruppen aufgebaut.
Die Lieferantenentwicklung startet klassisch mit der Arbeit an einem 0-Fehler Konzept, an hoher Liefertreue und Flexibilität. Es geht aber um viel mehr:
Lieferanten können ein Wertschöpfungsmotor sein: abgestimmt auf die eigene Fertigung im Hinblick auf die wirtschaftlich optimale Fertigungstiefe und auf die Logistik, immer mit einem gesamtheitlichen Blick auf die Gesamtkosten (total cost Betrachtung).
Stelle Dir doch bitte einmal selbst die Frage, wo Deine LieferantenBASIS aktuell steht:
Es lohnt sich für Dein Unternehmen, gezielt an der LieferantenBASIS zu arbeiten !!!
Nutze die LieferantenBASIS und den Einkauf als Wertschöpfungsmotor.
Weitere Infos zu diesem und weiteren Einkaufsthemen bekommst Du in den Blogbeiträgen der Procurement Buddies oder wenn Du mit uns Kontakt aufnimmst.